Was ist Dyskalkulie?

Sobald beim Kind in der Schule Schwierigkeiten beim Rechnen festgestellt werden, sehen sich Eltern in aller Regel mit vielen verschiedenen Fachbegriffen konfrontiert. Um hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen, möchten wir die gängigsten Begriffe an dieser Stelle erläutern.

Vorab ist jedoch anzumerken, dass es verschiedene Faktoren für Lernprobleme geben kann, die zusammengenommen und häufig in Wechselwirkung eine Lernproblematik auslösen (z.B. Methoden des Unterrichts,  Lernumgebung, Veranlagung des Kindes etc.). Durch eine passgenaue Förderung können solche Defizite jedoch in der Regel sehr gut ausgeglichen werden. Der Zeitpunkt der Förderung ist jedoch entscheidend, denn je früher eine Förderung eingeleitet wird, umso besser sind die Erfolgsaussichten. Im WOLF-Zentrum steht das Kind im Mittelpunkt. Es wird vermieden durch verallgemeinernde Begrifflichkeiten den Blick für die individuelle Persönlichkeit des Kindes zu verlieren. Eine Förderdiagnostik unsererseits ist dennoch sinnvoll und notwendig, um einen effektiven und passgenauen Förderplan zu entwickeln.

Begriffserläuterung

Der Begriff Rechenschwäche findet vor allem im pädagogisch-psychologischen Kontext Verwendung. Hierbei handelt es sich um einen allgemein gefassten Begriff, der mitunter stark unterschiedlich verwendet wird und nicht verbindlich definiert ist. Gemeint sind alle auftretenden Schwierigkeiten beim Rechnen, unabhängig von Ursachenfaktoren und der allgemeinen Intelligenz des Kindes.

Die Begriffe Rechenstörung und Dyskalkulie finden hingegen vor allem im medizinisch-psychiatrischen Kontext Verwendung und sind von der WHO im ICD-10 eng definiert. Es wird dabei von einer Veranlagung des Kindes ausgegangen, die durch weitere Faktoren zwar begünstigt, aber nicht verursacht werden kann. Die Störung äußert sich demzufolge dadurch, dass die Betroffenen bei normaler Intelligenz im Vergleich nur sehr schwache Rechenleistungen aufweisen. Die Diagnose erfolgt in der Regel nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach ICD-10 und äußert sich der Definition nach durch folgende Merkmale:

Frühe Schwierigkeiten bei(m)

  • der Zuordnung von Mengenangaben wie „größer“ / „kleiner“ , „mehr“, „weniger“.

  • der Zuordnung von Mengen zu Zahlen.

  • Umgang mit Geld.

  • Ablesen der Uhr.

  • Umgang mit Zahlen.

Spätere Schwierigkeiten bei(m)

  • Verständnis von Rechenschritten und dem Transfer auf neue Aufgaben.

  • Kopfrechnen ohne Zuhilfenahme der Finger oder anderer Zählhilfen.

  • der richtigen Schreibung von Zahlen (z.B. 25 als 52).

  • Verständnis von Textaufgaben.

  • Verwechseln der Rechenarten in konkreten Aufgaben.

  • der schnelleren Bearbeitung von Rechenaufgaben.

Anzumerken ist hierbei, dass neuere Untersuchungen zeigen konnten, dass diese Fehlerarten bei den meisten Kindern während der Rechenentwicklung auftauchen, Kindern mit Dyskalkulie jedoch insgesamt eine höhere Anzahl an Fehlern zeigen und das Fehlerbild länger aufrecht erhalten bleibt.

Unter der „Akalkulie“ wird eine erworbene Form der Beeinträchtigung verstanden, die z.B. durch eine Hirnschädigung hervorgerufen wurde.

Nachteilsausgleich & Kostenübernahme

Für die Gewährung eines Nachteilsausgleichs oder Notenschutzes in der Schule ist, nach der hessischen Verordnung zur Gestaltung des Schulverhältnisses, keine Diagnose nach ICD-10 notwendig. Darüber, ob eine Rechenschwäche anerkannt wird, entscheidet die jeweiligen Lehrkräfte in der Klassenkonferenz. Vorhandene Fremdgutachten sind jedoch in die Entscheidung einzubeziehen. Hierfür ist nach der jetzigen Rechtslage ein pädagogisch-psychologisches Gutachten vollkommen ausreichend. Dieses können Sie im WOLF-Zentrum anfertigen lassen.

Sollen die Kostenübernahme der Förderung über § 35a über das Jugendamt beantragt werden oder die Kosten steuerlich geltend gemacht werden, ist eine medizinisch-psychiatrische Diagnose nach ICD-10 jedoch notwendig.

Mind Map für Eltern: Erste Schritte bei LRS / Rechenschwäche

Es kommen viele Fragen auf, wenn in der Schule der Verdacht auf LRS oder Dyskalkulie geäußert wird oder die Eltern selbst mitbekommen, dass das Kind in der Schule nicht mehr mitkommt. Wie ist der nächste Schritt? Muss ich mein Kind diagnostizieren lassen? Hat es ein Recht auf Förderung? Wer trägt die Kosten der Förderung? All diese Fragen beantworten wir den Eltern ausführlich im Erstgespräch im WOLF-Zentrum. Wir wollen ihnen hier jedoch vorab einen kleinen Fahrplan mit auf den Weg geben, der die ersten Schritte beleuchtet. Wir hoffen, das hilft etwas weiter! Gerne stehen wir weiterhin für alle aufkommenden Fragen zur Verfügung.

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