Was ist LRS / Legasthenie?

Sobald beim Kind in der Schule Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben festgestellt werden, sehen sich Eltern in aller Regel mit vielen verschiedenen Fachbegriffen konfrontiert. Um hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen, möchten wir die gängigsten Begriffe an dieser Stelle erläutern.

Vorab ist jedoch anzumerken, dass es verschiedene Faktoren für Lernprobleme geben kann, die zusammengenommen und häufig in Wechselwirkung eine Lernproblematik auslösen (z.B. Methoden des Erstleseunterrichts, Lesesozialisation, Lernumgebung, Veranlagung des Kindes etc.). Durch eine passgenaue Förderung können solche Defizite jedoch in der Regel sehr gut ausgeglichen werden. Der Zeitpunkt der Förderung ist jedoch entscheidend, denn je früher eine Förderung eingeleitet wird, umso besser sind die Erfolgsaussichten. Im WOLF-Zentrum steht das Kind im Mittelpunkt. Es wird vermieden durch verallgemeinernde Begrifflichkeiten den Blick für die individuelle Persönlichkeit des Kindes zu verlieren. Eine Förderdiagnostik unsererseits ist dennoch sinnvoll und notwendig, um einen effektiven und passgenauen Förderplan zu entwickeln.

Begriffserläuterungen

Der Begriff Lese-Rechtschreib-Schwäche (abgekürzt LRS) findet vor allem im pädagogisch-psychologischen Kontext Verwendung. Hierbei handelt es sich um einen allgemein gefassten Begriff, der mitunter stark unterschiedlich verwendet wird und nicht verbindlich definiert ist. Gemeint sind alle auftretenden Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben, unabhängig von Ursachenfaktoren und der allgemeinen Intelligenz des Kindes.

Die Begriffe Lese-Rechtschreib-Störung (abgekürzt ebenfalls LRS) und Legasthenie finden hingegen vor allem im medizinisch-psychiatrischen Kontext Verwendung und sind von der WHO im ICD-10 eng definiert. Es wird dabei von einer Veranlagung des Kindes ausgegangen, die durch weitere Faktoren (z.B. Lesesozialisation) zwar begünstigt, aber nicht verursacht werden kann. Die Störung äußert sich demzufolge dadurch, dass die Betroffenen bei normaler Intelligenz im Vergleich nur sehr schwache Schriftsprachleistungen aufweisen. Die Diagnose erfolgt in der Regel nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach ICD-10 und äußert sich der Definition nach durch folgende Merkmale:

  • Eine deutliche Beeinträchtigung der Lese- und Rechtschreibentwicklung.

  • Durch Auslassen, Ersetzen, Verdrehen und Hinzufügen von Worten oder Wortteilen sowie das Vertauschen von Wörtern im Satz oder von Buchstaben in Wörtern in den ersten beiden Grundschuljahren.

  • Eine Beeinträchtigung des Leseverständnisses. Die Kinder sind dann häufig nicht in der Lage, das Gelesene in eigenen Worten wiederzugeben, aus Gelesenem Schlussfolgerungen zu ziehen und es mit ihrem Wissen zu verknüpfen.

  • In höheren Klassen zeigt sich die Störung in einem sehr langsamen, stockenden und mühevollen Lesen. Die ICD führt als Symptome eine auffallend niedrige Lesegeschwindigkeit, Startschwierigkeiten beim Vorlesen, langes Zögern, Verlieren der Zeile und ungenaues Phrasieren auf. Hinzu treten häufig Schwierigkeiten beim Rechtschreiben auf.

Anzumerken ist hierbei, dass neuere Untersuchungen zeigen konnten, dass diese Fehlerarten bei den meisten Kindern während der Lese-und Rechtschreibentwicklung auftauchen, Kindern mit LRS jedoch insgesamt eine höhere Anzahl an Fehlern zeigen und das Fehlerbild länger aufrecht erhalten bleibt.

Die Dyslexie wird als „developmental Dyslexia“ im angloamerikanischen Sprachraum analog zur Leserechtschreibstörung und Legasthenie verwendet. Hierzulande ist hiermit jedoch zumeist eine erworbene Form der Beeinträchtigung gemeint, die z.B. durch eine Hirnschädigung hervorgerufen wurde.

Die Abkürzung LRS wird sowohl für die Lese-Rechtschreib-Schwäche als auch für die Lese-Rechtschreib-Störung verwendet.

Nachteilsausgleich & Kostenübernahme

Für die Gewährung eines Nachteilsausgleichs oder Notenschutzes in der Schule ist, nach der hessischen Verordnung zur Gestaltung des Schulverhältnisses, keine Diagnose nach ICD-10 notwendig. Darüber, ob eine LRS anerkannt wird, entscheidet die jeweiligen Lehrkräfte in der Klassenkonferenz. Vorhandene Fremdgutachten sind jedoch in die Entscheidung einzubeziehen. Hierfür ist nach der jetzigen Rechtslage ein pädagogisch-psychologisches Gutachten vollkommen ausreichend. Dieses können Sie im WOLF-Zentrum anfertigen lassen.

Sollen die Kostenübernahme der Förderung über § 35a über das Jugendamt beantragt werden oder die Kosten steuerlich geltend gemacht werden, ist eine medizinisch-psychiatrische Diagnose nach ICD-10 jedoch notwendig.

Mind Map für Eltern: Erste Schritte bei LRS / Rechenschwäche

Es kommen viele Fragen auf, wenn in der Schule der Verdacht auf LRS oder Dyskalkulie geäußert wird oder die Eltern selbst mitbekommen, dass das Kind in der Schule nicht mehr mitkommt. Wie ist der nächste Schritt? Muss ich mein Kind diagnostizieren lassen? Hat es ein Recht auf Förderung? Wer trägt die Kosten der Förderung? All diese Fragen beantworten wir den Eltern ausführlich im Erstgespräch im WOLF-Zentrum. Wir wollen ihnen hier jedoch vorab einen kleinen Fahrplan mit auf den Weg geben, der die ersten Schritte beleuchtet. Wir hoffen, das hilft etwas weiter! Gerne stehen wir weiterhin für alle aufkommenden Fragen zur Verfügung.

Kontakt

Sie haben noch Fragen? Schreiben Sie uns eine Nachricht!

Gerne können Sie uns auch anrufen oder wir treffen uns zu einem unverbindlichen Beratungsgespräch.
Kontakt